Kaum erfassbar ist der Verlust, welcher die Emmigration der glücklicheren, die Ermordung der Unglücklichen kulturell für dieses Land beudeutet. Nicht fassbar ist, daß das Vorhandensein eines jüdischen Kulturlebens totgeschwiegen, allenfalls in Nebensätzen verschämt Erwähnung findet. Nur wenn es sich nicht vermeiden läßt, so der Anschein, überwindet sich das offizielle Österreich zu einer mühsam herausgequetschten "Anerkennung" für die kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungen der jüdischen Gemeinde in Wien.Zu hoffen ist, daß das Theater im "Nestroyhof" in seiner ursprünglichen Funktion, zu einem lebendigen, kulturellen Treffpunkt werden kann. Doch warum hoffen? Und nicht verlangen? Sehr geehrte honorige Damen und Herren in Verbindungen, Gemeinschaften, Vereinen und Gesellschaften für kulturellen Austausch im In- wie im Ausland: belassen sie es nicht dabei, "im Geiste das Projekt zu lobpreisen und zu unterstützen". Ein wenig schnöder Mammon mehr, etwas reduzierte verbal sanft politisch korrekt dahinplätschernde Absichtserklärungen - dann hat das "Projekt Nestroyhof" zumindest eine Chance.Ein Theater zu führen und auch noch ein Stück zur Aufführung zu bringen ist schon Beweis genug, das Unmögliches möglich ist. Da sollte das Renovieren eines Theaterhauses doch wohl keine Schwierigkeit sein.Ich freue mich auf die Premiere in diesem Haus - wer noch?