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AMESBAUER, Karl
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ANTONIUS, Brigitte
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BACHER, J.
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THILL, Resi

Der Nestroyhof – Eine Chance für Wien

Wien ist eine Weltstadt, berühmt natürlich für seine großen Musiker, für das Wiener Schnitzel und natürlich für die Lipizzaner, aber auch für seine Theaterlandschaft, die im deutschsprachigem Raum wahrscheinlich einzigartig und unübertroffen ist. Doch eines vergisst man schnell, wenn als WienerIn über seine Stadt und seine vielen Bühnen schwärmt, nämlich dass vorwiegend jüdische Künstler das Theater hier in Wien so groß gemacht haben. Ich denke, es ist überflüssig an dieser Stelle Namen zu nennen, sie sind uns alle als große, wenn auch nicht direkt als jüdische Künstler bekannt. Einige dieser Theatermacher haben ihren ersten Schritte in einem der beliebtesten und wahrscheinlich auch einem der aufregendsten Theaters seiner Zeit gemacht, dem Nestroyhof im 2. Wiener Gemeindebezirk. Der Nestroyhof war ein für seine Originalität und Vorbehaltlosigkeit bekannt und erfreute sich regen Publikumszuspruchs bis zu jenen Schicksalsjahren des Zweiten Weltkrieges, der seinen Erfolg jäh beendete.

Der Nestroyhof wurde verdrängt, dann vergessen und anschließend wurde ein Supermarkt daraus. Für eine Stadt wie Wien, die sich wie fast keine andere in Reminiszenzen an große Tage ergeht, deren Kapital die goldene Vergangenheit ist, ein blamabler Zustand. Ein Zustand, der – so sollte man glauben – von den Stadtvätern nicht akzeptiert werden kann.

Als ich vor nun schon fast einem Jahr zum Jüdischen Theater Austria kam, war ich was Kulturpolitisches anging noch ausgesprochen unbedarft. Ich hatte noch am Tag vor meinem ersten Treffen mit dem Theater-Team zufällig einen Fernsehbericht über das Thema Nestroyhof und der Initiative des Jüdischen Theaters zur seiner Rettung gesehen und natürlich daran geglaubt, dass in dieser Sache bald etwas geschehen müsste. Für mich stand nicht einmal eine Sekunde lang in Zweifel, dass der Nestroyhof wieder ein Theater sein muss und dass dadurch jüdische Kultur, wenn schon nicht wiederbelebt, dann zumindest aus dem klinisch toten Stadium herausgeholt werden könnte. Doch bisher ist nichts geschehen.

Über Jahrzehnte hinweg hatten hier jüdische Künstler Kunst für alle gemacht, es war ein Ort der Offenheit, wo thematisiert, kritisiert und auch persifliert wurde. So ein Ort des Zusammentreffens, an dem Vorurteile abgebaut und Verständnis erschaffen wird, wie ich es selbst durch die Arbeit an den Produktionen des Jüdischen Theaters und natürlich bei deren Aufführungen erlebt habe, fehlt der Wiener Theaterszene wesentlich.

Aber nicht nur das könnte der Nestroyhof als internationales jüdisches Theater – wie von Warren Rosenzweig vorgeschlagen – für Wien bedeuten, es könnte die Fortsetzung einer unglaublich kreativen und lebendigen Ära sein, die viel zu lange unterbrochen war.

Theatermacher – egal welcher Konfession oder Herkunft – sind keine Politiker, aber oft sozial bewusste und vor allem unermüdliche Idealisten, die eigentlich nur Theater machen um gemeinsam Verständnis für und zusammen mit Anderen zu schaffen. Der Nestroyhof ist eben für dieses Ziel eine große Chance, hoffentlich vergibt Wien sie nicht.

Resi Thill, Klosterneuburg

2004-08-26



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