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Wiener Zeitung - June 16, 2000 Bereicherung für Theaterszene
"JüDISCHES THEATER AUSTRIA" STELLT SEINE PLäNE VOR [English translation is forthcoming.]"Vorhang auf" heißt es am kommenden Samstag für ein neues österreichisches Theater: Am 17. Juni präsentiert das "Jüdische Theater Austria" (JTA) seine erste Produktion, die szenische Lesung von Henry Millers "Zwischenfall in Vichy" im Jüdischen Museum in Wien mit u.a. Miguel Herz-Kestranek und Florentin Groll. Seinen administrativen Standort hat das JTA in Graz. Seine – im allgemeinen deutschsprachigen – Produktion will es aber landesweit zeigen, erklärte dessen künstlerischer Leiter, Warren Rosenzweig. "Wir möchten mit Hilfe des Theater die jüdische Kultur vorstellen und sie als wichtigen Teil der österreichischen Kultur in Erinnerung rufen", so der 50-jährige New Yorker Regisseur, der kürzlich seinen Wohnsitz nach Graz verlegt hat. Ein Theaterabend sei in diesem Fall das perfekte Medium um Vorurteile ab- und Verständnis aufzubauen und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden zu fördern, so der Leiter des Theaters. Neben Bühnenstücken will man aber auch Musiktheaterstücke erarbeiten, sowie Tanz, Performances, Kabarett und immer wieder Lesungen zur Thematik "Jude/Nichtjude" zeigen und so die bewegte Geschichte und Gegenwart des Judentums und seine turbulenten Beziehungen zu Nichtjuden illustrieren. Der Spielplan umfasst drei Hauptkategorien: Ein flexibles Ensemble wird österreichweit mit deutschsprachigen Aufführungen auf Tournee gehen. Den Schwerpunkt will man dabei auf Stücke von modernen und zeitgenössischen jüdischen Schriftstellern oder solchen, die die jüdische Identität thematisieren, legen. Ausgewählte Produktionen sollen dann aber auch im Ausland gezeigt werden. Weiters will man Koproduktionen mit anderen jüdischen Theatergruppen und Künstlern eingehen. Unterstützung erhält das neu gegründete Ensemble u.a. vom Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, Simon Wiesenthal, Tony Kushner und dem bekannten israelischen Bühnenautor Joshua Sobol. Von öffentlicher Seite wurden zwar auch schon Zusagen gemacht, so Rosenzweig, bisher sei man jedoch noch auf private Sponsoren angewiesen. Im November (9.11.) wird das JTA im Rahmen einer Bühnenlesung des "Zwischenfall von Vichy" auch erstmals in Graz, dem eigentlichen Sitz des Theaters, auftreten. Aufgrund der aktuellen politischen Situation hat man den ursprünglichen Plan, Paddy Chayevskys unterhaltsamen Broadway-Hit "Der zehnte Mann" zu zeigen, wieder verworfen und sich für "härtere Kost" entschieden: Das im Jahr 1964 entstandene Stück spielt in einer französischen Polizeiwachstube im Jahre 1942 und setzt sich mit der Kollaboration der Franzosen in Vichy mit Nazi-Deutschland auseinander. © 2000 Wiener Zeitung
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