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Die Presse - Sept. 16, 2003 Stadt ohne Juden? "Oder bleibt hier und kuscht"
BEI EINER VERANSTALTUNG DER JüDISCHEN GEMEINDE WURDE DIE ENTTäUSCHUNG üBER DIE FEHLENDE HILFE DER REGIERUNG ARTIKULIERT. [English translation is forthcoming.]Ihr seid uns wurscht, es wird kein Verlust sein, wenn ihr fortgeht. Oder bleibt und kuscht. So beschreibt Alexander Friedmann, Psychiater und Mitglied des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde, die Haltung der Bundesregierung gegenüber den österreichischen Juden. Es waren harte Worte, die am Montagabend bei einer Diskussion unter dem Titel „Stadt ohne Juden“ im jüdischen Gemeindezentrum fielen. Friedmann fürchtet, dass viele Juden das Land verlassen, „und zwar aus psychohygienischen Gründen“. Ausdrücklich warnte er jene, die innerhalb der Gemeinde Kritik an Präsident Ariel Muzicant übten an dessen Stuhl sägen würden. Er, Friedmann, gehöre nicht derselben Fraktion an wie Muzicant. Doch in der derzeitigen Situation werfen wir beide denselben Schatten. Hintergrund: Die Kassen der IKG sind leer. Muzicant fordert, einerseits das während der NS Zeit entzogene oder zerstörte Gemeindevermögen mit 37 Millionen Euro abzugelten, anderseits für jährliche Kosten der Infrastruktur (vor allem Sicherheit) aufzukommen. Der Bund verweist auf den Entschädigungsfonds und bietet ein Darlehen. Der Kultusvorstand hat vergangene Woche einen Beharrungsbeschluss gefasst. Alle ausgesprochenen Kündigungen bleiben bis auf weiteres aufrecht unter anderem die des Kantors der Synagoge. Interessant die Wortmeldung von Warren Rosenzweig vom jüdischen Theater Austria. Er kritisierte, dass in Österreich zwar viel Geld für tote Juden ausgegeben werde, der lebenden Gemeinde aber kaum geholfen werde. Als Beispiele nannte der Kultusschaffende die aufwendig inszenierte Schüleraktion Letter to the Stars, bei der Schüler Briefe an 60 000 ermordetet Juden schrieben und diese auf weißen Luftballons bei einem Event am Heldenplatz gegen Himmel steigen ließen, aber auch Gedenkveranstaltungen im Nationalpark Mauthausen (Rosenzweig). Indes geht das Tauziehen zwischen Bund und Gemeinde weiter: Am Montag hatte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer das Regierungsangebot bekräftigt. Muzicant reagierte enttäuscht. © 2003 Die Presse
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