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Eine schauspielerische Hommage an Abisch Meisels (1896-1959) und das vergessene und noch heute verdrängte jüdische Theater in Wien

Mit Inge Maux, Caroline Koczan,
Florian Schäfer (Klavier), u.a.

Dramaturgie und Regie von
Warren Rosenzweig

Aus Texten von
Abisch Meisels, Ruth Schneider
und Warren Rosenzweig

Musikalische Leitung: Florian Schäfer
Choreographie: Dalyla Rami

Eröffnungsevent der Bezirksfestwochen Wien Neubau unter dem Motto „Gegendenken“

19. Mai 2005 im Britischen Konsulat
7. Siebensterngasse 21

"Als ich hörte, dass der israelische PEN-Klub und der jiddische PEN-Klub in New York und London den 27. Kongress boykottierten, weil er in Wien, der „schuldhaften Stadt“, stattfand, fühlte ich mich wie ein Verräter, obwohl der Zweck meines Hinfahrens war, etwas über die letzten Tage meiner umgekommen Wiener Schauspieler-freunde zu erfahren. Ich besuchte alle Orte, an denen sie gewohnt hatten, und die einzige Antwort, die ich hörte, war - „Nicht mehr hier“. Auf jeden Schritt auf jede Frage die gleiche Antwort. „Was ist mit der berühmten Bibliothek der Kultusgemeinde? Mit den Schulen? Tempeln? Mit dem großen Rothschild-Spital usw. – „Nicht mehr hier“ war die Antwort…"
- Abisch Meisels


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Bis zum Anschluss an Nazi Deutschland galt Wien als ein Weltzentrum für jüdische „Hochkultur“. Dazu zählte eine äußerst rege, vielseitige und internationale Theaterszene, die die künstlerische und soziale Landschaft der Stadt wesentlich mitgestaltete. Die Künstler setzten sich für eine bewusste jüdische Identität ein und machten unbekannte Facetten der jüdischen Erfahrung dem allgemeinen Wiener Publikum zugängig. Themen, die für das Verständnis jüdischen Lebens und jüdischer Kultur relevant waren sowie die aktuellen Probleme wurden in unterhaltsamen neuen Werken und mit unverkennbarem Stil auf der Bühne interpretiert. In jeder Hinsicht war Jüdisches Theater Wiener Theater und seine Bühnen dienten als wichtige Treffpunkte für Juden wie auch Nichtjuden.

Abisch Meisels wurde 1896 in Kulików, Galizien geboren und übersiedelte in der Zwischenkriegszeit nach Wien. Bis 1927 arbeitete er als Dramatiker, Lieder-macher, Regisseur, Schauspieler oder Souffleur hauptsächlich in Wien mit verschiedenen Theatergruppen. Er gründete seine eigenen Ensembles und machte sich auch als Journalist einen Namen. Seine Loyalität gegenüber der österreichisch-ungarischen Monarchie zeigte sich in seinen frühen Bühnen-werken, während seine späteren Revuen seine Hinwendung zum Zionismus als Antidot gegen die herrschende Judeophobie der österreichischen Mehrheit reflektierten.

Abisch Meisels wurde bald eine der beliebtesten Figuren in der vielfältigen Wiener jüdischen Theaterszene. Im Frühjahr 1927 wurde seine erste jiddische Revue, „Fun sechistow bis amerika“ – über eine Immigrantenfamilie aus Galizien, die auf ihrem Weg nach Amerika kurz in Wien Halt machte und hier mit dem österreichischen Antisemitismus Bekanntschaft machte – mit großem Erfolg im „Jüdischen Künstlerkabarett“ in der Praterstraße 60 aufgeführt. Eine Inszenierung der Neufassung des Stückes mit dem Titel “Auf nach Tel Aviv” fand dann in den „Jüdischen Künstlerspielen“ im Nestroyhof, Praterstraße 34 statt. Dort arbeitete Meisels u.a. als Chefdramaturg unter der Leitung von Jacob Goldfliess von Herbst 1927 bis zur Beschlagnahme des Theaters durch die Gestapo kurz nach dem Anschluss.

Am 8. Mai 1938 floh Meisels zusammen mit seiner Frau, der Schauspielerin Klara Meisels und ihrer Tochter Ruth von Wien in die Tschechoslowakei, wo sie vorübergehend Aufnahme fanden. 1939 wurden sie von der britischen Regierung vor der unaufhaltsamen Gefahr gerettet und konnten bald darauf ein freies Leben als britische Bürger beginnen.

Während eines kurzen Besuchs im Juni 1955, ein Monat nach der Unter-zeichnung des österreichischen Staatsvertrages, sah Meisels seine Heimatstadt Wien zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder. Er machte sich sofort auf die Suche nach seinen alten Freunden, Kollegen und nach den vertrauten Plätzen seines früheren Gesellschafts- und Berufslebens, stieß aber überall auf die selben Worte: „Nicht mehr hier“. Wo einst eine jüdische Bevölkerung von über 180.000 „auf höchstem kulturellen Niveau“ lebte, gab es nur mehr zehntausend Juden, kulturell und sozial isoliert, seelisch zerrüttet, immer noch antisemitischen Feindseligkeiten ausge-setzt. Abisch Meisels starb nicht einmal vier Jahre später im Alter von 63 Jahren ohne Wien je wieder zu sehen.

Und über Grenzen, über Meer und Land
Trag ich und fühl’ ich die große Schand,
dass die große Vaterstadt mit ihrer Pracht
hat ihre Toten selber umgebracht...


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