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haGalil Online - 16.11.2005

Raub, Betrug und Hakenkreuze - von 1938 bis heute

WIE DAS JÜDISCHE THEATER IM NESTROYHOF UNSEREN UMGANG MIT VERGEWALTIGTER KULTUR IN FRAGE STELLT.

Von Warren Rosenzweig
Jüdisches Theater Austria, www.jta.at

Die seit 2001 bestehende Initiative des Jüdischen Theaters Austria zur Rettung des ehemaligen jüdischen Theaters im "Nestroyhof" in der Praterstrasse 34 ist nicht erfolglos gewesen. Jetzt, nach Jahren des Ringens mit desinteressierten Vertretern der Stadtverwaltung und den verschwiegenen Hausherren einer Immobilie, die im Zuge des Nationalsozialismus einverleibt und durch äußerste Ungerechtigkeit einbehalten wurde, scheint es nun endlich klar, dass dieses Juwel österreichischen und jüdischen Kulturerbes vor weiterer Zerstörung bewahrt wird. Es wird nicht wieder als Supermarkt missbraucht werden (wie es für Jahrzehnte der Fall war), noch wird es zu dem werden, wofür sich zumindest einer der Hausherren aus der Familie Polsterer, Martin Gabriel, sogar noch im Juni 2004 engagierte: ein kommerzielles Center für Business, Gastronomie und Clubbing.

Wird es aber wieder ein jüdisches Theater sein, wie zu der Zeit, als es Gabriels Vorfahren durch deren Kollaboration mit den Nazis von Anna Stein stahlen? Trotz der Bemühungen der Familie Polsterer, auch weiterhin unbekümmert dem Problem auszuweichen, wie sie das schon seit vielen Jahren tut; trotz der bedrohlichen Hakenkreuze, deren Entfernung von den Innenwänden seines geerbten Raubeigentums Herr Gabriel so lange verweigert hat; und trotz der Nachlässigkeit des Wiener Stadtrates für Kultur, Andreas Mailath-Pokorny, der Angelegenheit die gebührende Aufmerksamkeit zu widmen, wird das Theater im Nestroyhof wieder ein Ort für Kunst und Kultur sein. Aber wird es Gerechtigkeit geben?

Jeder weiß, dass es in Österreich aussichtslos ist, im Angesicht weiter bestehender "Arisierung" um Gerechtigkeit zu kämpfen. Zumindest wird mir oft gesagt, dass es aussichtslos sei und dass dies jeder wisse. Es ist für Politiker kein Problem, vollmundige Reden darüber zu halten, wie sie für die Gerechtigkeit eintreten. Für Akademiker ist es in Ordnung, über das Problem der Ungerechtigkeit zu theoretisieren und zu dozieren und für Theologen, darüber zu predigen. Aber es ist nicht in Ordnung, tatsächlich etwas zu tun. Ein Jude sollte nicht einmal darüber sprechen. Aber ist es für einen Juden in Ordnung, nicht darüber zu sprechen? Und ist es in Ordnung, nichts zu tun? Und was ist mit einem unabhängigen Juden – kein jüdischer Offizieller – sondern ein Mensch, dem seine kulturelle Herkunft ein Anliegen ist und der die Freiheit besitzt, zu sprechen und der frei ist zu handeln. Ist es in Ordnung frei zu sein?

Wir leben in einem gut organisierten Staat. In unserem Alltag genießen wir die vielen Vorteile politischer, sozialer und ökonomischer Organisation. Aber wie wir wissen, hat diese Organisation ihren Preis. Unabhängigkeit, zum Beispiel, wird von den Köpfen unseres gut organisierten Staates nicht gerne toleriert. Als Folge der elaborierten Mechanik der Zentralisierung wird die Unabhängigkeit nicht einmal in der Kunst toleriert. Dennoch bleibt sie ein hoch geschätztes persönliches Attribut – eine Qualität, die wir an kreativen und großartigen Frauen und Männern besonders verehren und die wir oft mit Verantwortung und Gewissen assoziieren.

Aber ich habe gefragt, "Wird es Gerechtigkeit geben?" als ich von Gedanken an Unabhängigkeit, Verantwortung und Gewissen unterbrochen wurde. Die den Nestroyhof betreffende Frage ist keine philosophische sondern eine praktische. Es ist keine Frage der Ideen, sondern eine des Handelns ...

Seit Jahren sind weder die Familie Polsterer, die über den Nestroyhof bestimmt, noch Andreas Mailath-Pokorny, der über das riesige öffentliche Kulturbudget der Stadt bestimmt, bereit, das Vorhaben zu diskutieren, das frühere jüdische Theater in seiner ursprünglichen Funktionalität wieder instand zu setzen. Meine Kollegen und ich haben uns durch diese Umstände nie davon abbringen lassen, uns für die künstlerische, kulturelle und gerechte Sache einzusetzen, das Theater vor weiterer Zerstörung zu bewahren und es wieder neu zu beleben, als internationales, interkulturelles Zentrum für darstellende Kunst und eine lebendige jüdische Identität (siehe www.nestroyhof.at). Die Tatsache, dass die Polsterers jetzt schließlich doch gewillt sind, zu gestatten, dass ihr gestohlener Besitz wieder als ein Theater verwendet werden kann, ist Beweis dafür, dass sogar die Profiteure der Arisierung dazulernen können, wenn sie müssen.

Anstelle des üblichen Schweigens, der Verleugnung und der Desinformation wird die Familie bald zugeben müssen, dass der Nestroyhof arisiertes jüdisches Kulturerbe ist. Sie werden kaum eine Wahl haben. Seit Jahren hat das Jüdische Theater Austria auf die Tatsachen aufmerksam gemacht. Die Familie wird endlich zugeben müssen, dass sie die Gerechtigkeit verhöhnt hat und beizeiten werden wir zu einem Punkt kommen, an dem die Frage nicht länger lauten wird: "Was geschah?" sondern "Was kann jetzt getan werden?". Die Antwort sollte klar sein: die Polsterers können zeigen, dass sie bereit sind, mit dem Vermächtnis des Diebstahls zu brechen, indem sie dieses eine Stück geraubten Eigentums an die Gemeinschaft zurückgeben, damit es seiner ursprünglichen kulturellen Funktion wieder gerecht werden kann. Haben sie nicht lange genug mit jüdischem Blut Geld gemacht?

Weniger optimistisch bin ich was den mächtigen Kulturstadtrat betrifft, der mir zum ersten mal im Februar 2002 klar gemacht hat, dass er den Plan, das jüdische Theater zu reetablieren, nicht unterstützt. Aber warum sollte man sich dann überhaupt eine politische Intervention wünschen, die ja typischerweise ihren Preis hat - den Preis politischer Abhängigkeit, Kriecherei und Zensur. Warum sich nicht stattdessen Mailath-Pokornys "Nicht-Intervention" wünschen? Lass den Politiker zur Abwechslung mal zu Hause, während kreative Kultur einen gesunden Willen zur Unabhängigkeit durchsetzt.

Aber Kritiker werden wissen wollen woher die Finanzierung für die Renovierung, die Wiedereröffnung und den Betrieb des jüdischen Theaters kommen soll, wenn nicht von Onkel M.P.? Sie sagen, dass es ohne seine Unterstützung nicht getan werden kann. Einige sagen, dass es ohne seine Unterstützung nicht getan werden soll. Und viele werden darauf aufmerksam machen, worauf der Stadtrat selbst die ganze Zeit bestanden hat: dass die Stadt es sich nicht leisten kann, den Plan zu unterstützen.

Jahrzehnte zentralisierter Finanzierung von Theaterkunst – der Abhängigkeit des Künstlers von politischer Vetternwirtschaft und "Lobbyismus" – haben uns ein wenig wie Zirkuselefanten werden lassen, die sich an die kleinen Schwänzchen vor unseren großen Nasen klammern. Wir haben gelernt, dem Schnalzen der Peitsche zu folgen und unsere Positionen im Ring zu halten. Halt dich gut fest, dann wird’s vielleicht eine Handvoll Erdnüsse geben, nach der Show. Lass los und du bekommst den Elektroschock des Zirkusdirektors zu spüren. Dann nehmen wir dein Elfenbein und der Rest von dir ist Leim!

Ich habe keinen Rat für Zirkuselefanten. Aber jüdische Kultur in Wien war in der Manege der hoch umfeierten zweiten Republik von Anfang an nicht willkommen.

Das jüdische Theater im Nestroyhof kann und soll idealerweise mit so wenig Einmischung durch die Regierenden wie möglich reetabliert werden.

Aber Kritiker werden sagen, dass ungeachtet der Situation vor 1938, die jüdische Gemeinde in Wien heute zu klein ist um ein jüdisches Theater zu rechtfertigen. Wer wird sein Publikum sein? Sogar unter den Juden – wie viele Leute in Wien verstehen denn jiddisch (oder heißt es hebräisch)? Warum sollte eine assimilierte Gemeinde an jüdischen Themen interessiert sein? Was hat Religion mit Theater zu tun? "Jüdisches Theater" bedeutet "Ghettotheater" und ist grundsätzlich rassistisch. Die Torah selbst warnt vor der Verderbtheit des Theaters. Seit wann braucht jüdische Identität ein Theater um sich auszudrücken? Nebenbei bemerkt, haben wir bereits jüdisches Theater – die städtischen Theater haben oft Arbeiten jüdischer Autoren aufgeführt und eines dieser Theater wird sogar von einem Juden geleitet.

Bei einer vor kurzem abgehaltenen Konferenz in Wien, hat ein Sprecher in bester Absicht seine grundsätzliche Unterstützung für unseren Plan, das jüdische Theater zu reetablieren, zugesagt, mit dem Vorbehalt, dass es ein Ort sein muss, an dem "jüdische und arische Schauspieler zusammen auf der selben Bühne auftreten werden".(1) Das einzige Ghetto im Wien der Gegenwart ist das Ghetto der vorsätzlichen Ignoranz. In diesem Garten Eden, wo die falsche Sicherheit des Aberglaubens andauernd über das Wissen triumphiert, fürchten sich seine alteingesessenen Bewohner sogar heute noch davor den allegorischen Apfel zu kosten ...

Herr Gabriel hat eingewendet, dass der Saal im Nestroyhof nicht immer ein jüdisches Theater gewesen ist. Aber er war nichts anderes von September 1927 bis zum Anschluss im März 1938. Worüber er (noch) nicht spricht ist, wie seine Familie dazu kam, das Eigentum von Anna Stein Ende 1940 in Besitz zu nehmen. Weiters vermeidet er (noch), die zutiefst jüdische Geisteshaltung des zionistischen Architekten Oskar Marmorek zu erwähnen, sowie die unzähligen anderen "jüdischen" Charakteristika des Gebäudes und seiner Geschichte. Glücklich ist wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist. Wie Herr Gabriel es dargelegt hat, "It’s time to go on with our lives." Ich stimme zu – es ist Zeit weiterzuleben, aber nicht ohne wiederherzustellen was wiederhergestellt werden kann.

Die Familie könnte sagen, dass sie gezwungen wurde ihr arisiertes Eigentum im Jahre 1950 zu restituieren und, dass sie dieses erst ein paar Monate später von den damals rechtmäßigen Erben (2) legal wieder erworben hat, recht und billig für 3.500 Schilling. Falls Anna Stein heute noch Erben hat, die zu behaupten wünschen, dass sie in der Nachkriegszeit mittels Nötigung und Betrug noch einmal beraubt wurden, wo sind sie jetzt? Lasst sie doch sprechen! Das könnte die Familie sagen, aber sie tut es nicht.

Aber warum beseitigen sie ihre Hakenkreuze nicht? Herr Gabriel verspricht Journalisten bereits seit einem Jahr, dass er dies tun würde. In der Zwischenzeit sind die Argumente, die Hakenkreuze nicht zu beseitigen, hauptsächlich von politisch linken Individuen gekommen. Deren Bemühungen, Raub und antisemitische Aufsässigkeit im Interesse des persönlichen Vorteils zu beschönigen, zeigen, dass sie zusammen mit der politischen Rechten der Mode folgen.

Am 2. Juni 2005 zum Beispiel, bei der Eröffnung einer Fotoausstellung, die ironischerweise den Titel "Women in the Holocaust – Frauen im Widerstand" trug, war der Name Anna Stein verboten, genauso wie jedes Wort von der Arisierung des Nestroyhofes, von seinem fortdauernden Besitz durch die direkten Nutznießer der Enteignung und von der Gegenausstellung, der behüteten Hakenkreuzsammlung direkt unter den Füßen der ahnungslosen antifaschistischen Besucher. Der Stadtrat für Kultur selbst segnete die Veranstaltung mit einer Rede, die frei war von jeglichem Hinweis auf das Wissen um den Nestroyhof, dessen Hintergrund ihm seit Jahren vertraut war. Die Organisatorin des "Pro-Widerstand Events" flehte mich an, diese Themen nicht einmal mit Leuten vor dem Eingang draußen auf der Straße zu diskutieren: "Jedes zweite Haus in Wien" sagte sie, "hat Hakenkreuze auf den Kellerwänden. Das ist nichts neues."

Kollaborationen gab es und wird es weiterhin geben, mit dem Bemühen, die Geschichte der Enteignung weißzuwaschen (und der Frage der Gerechtigkeit zu entgehen), um damit den Nestroyhof abwechselnd missbrauchen zu können, jetzt nachdem das Jüdische Theater Austria das Leichentuch gelüftet hat. Während einige der letzten Veranstalter behaupten, für den Nestroyhof nur das Beste zu wollen, hängt die Nutzung der Räumlichkeiten zur Gänze von ihrer ergebenen Loyalität gegenüber den Profiteuren des Nationalsozialismus ab (und, falls notwendig, von ihrer gemeinsamen Toleranz gegenüber Hakenkreuzen).

In den frühen Vierzigern, zu einer Zeit als Brot wertvoller war als Gold, war die Familie Polsterer diejenige, die das Brot verkaufte.(3) Je elender das Schicksal der Massen wurde, umso mehr Reichtum und Immobilien häufte die Nazifamilie an ...

Zum Beispiel war das Gebäude in der Schottenfeldgasse 60 in Wien einst Heimstätte einer Synagoge, einer Hebräisch-Schule, und einer Anzahl jüdischer Familien. Zusammen mit anderem höchst geschätzten NS-Familienvermögen wie dem Nestroyhof steht es heute immer noch im Besitz der einschlägig bekannten Familie Polsterer. Seit vielen Jahren hat sich die alternde Inhaberin Elisabeth Polsterer-Tree erfolgreich dagegen widersetzt, dass das Gebäude durch eine Gedenktafel gekennzeichnet wird. Im September 2004 wurde die Gedenktafel schließlich gegen ihren Willen in den Asphalt des öffentlichen Gehsteigs, nur wenige Zentimeter von der Fassade entfernt, eingelassen.(4) Direkt gegenüber blickt die Jugendstilfassade des "Andreas Neider Hauses" in der Schottenfeldgasse 65 gelassen von Angesicht zu Angesicht, mit geduldiger Ironie über die enge Gasse. Dieses weitere Werk des jüdischen Architekten Oskar Marmorek erinnert uns daran, dass in Unabhängigkeit, Verantwortlichkeit und Gewissen Stärke zu finden ist.

Wien, Oktober 2005
("ROBBERY, RAPE and REPITITION (from 1938 to the present) – How the Jewish Theater in the Nestroyhof Challenges Our Ways")
Übersetzung von Josef Bacher


Was kann getan werden?

Wenn sie die Nestroyhofinitiative unterstützen wollen, oder über hilfreiche Informationen verfügen, kontaktieren sie uns bitte unter office@jta.at.

Für weitere Informationen, besuchen sie bitte
www.nestroyhof.at

Anmerkungen:
(1) http://www.ceiberweiber.at/2004/juedischestheater1.htm
(2) Aranka Rosenzweig (New York), Melanie Arend (Portland, Oregon), Leontine Goldschmidt (San Francisco), and Michael Goldschmidt (Haifa, Israel).
(3) Polsterer Agrarhandel GmbH & Co KG (www.polsterer.co.at)
(4) http://www.ikg-wien.at/IKG/Members/irene/1049709045631/1100703199061?
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