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Kleine Zeitung - Apr. 27, 2002


Mordender oder moralischer Held?


Um Pflicht oder Moral geht es in Fritz Hochwälders "Flüchtling".
[English translation is forthcoming.]

Eng ist es im Theaterkeller des Grazer Forum Stadtpark. Fast wie in einem Versteck, passend zum 1945 in Solothurn unter dem Nachhall des Holocaust uraufgeführten Kammerspiel "Der Flüchtling" von Fritz Hochwälder. Dessen Gönner Georg Kaiser hatte dem österreichischen Flüchtling, der von 1938 bis zu seinem Tod 1986 in der Schweiz lebte, den Stückentwurf vorgelegt.

Beim Massentransport in die Zwangsarbeit kann ein junger Mann (Andreas Lust) entkommen; er findet Zuflucht und Zuneigung bei der Frau eines Grenzwachebeamten (Irene Coin). Das ganze Dorf ist allerdings schon in Aufruhr. Nicht minder der mit der Situtaiotn konfrontierte Ehemann.

Bravourös meister C. C. Weinberger unter der Regie von Christoph Prückner den biederen, pflichtgetreuen Dienstmann, der zwischen mordendem und moralischem Helden schwankt und Mitleid wie Ekel erregt. Als Grenzgänger macht er vor der genialen Hauskulisse mit Türen, versteckten Läden sowie einem Fenster mit Videoaussichten deutlich, was es für jedermann im Ernstfall hieße, mit einem Verfolgten Tisch und Bett zu teilen.

Ohne Orts-, Zeit- und exakten Flüchtlingsangaben im Text ist das vom "Jüdischen Theater Austria" und dem "Forum Stadtpark Theater" aufgeführte Volksstück (leider) immerwährend aktuell.

Elisabeth Willgruber-Spitz

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