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Profil - Feb. 20, 2006


Shalom Vienna (Selection)


Warren and Sonja Rosenzweig and the Jewish Theater of Austria
[Selected excerpts in English. For the complete section of the article in German, please see below.]

By Sylvia Steinitz

When the young woman from Carinthia [Sonja Rosenzweig] married the New York-born founder of Austria’s Jewish Theater 18 years ago, one part of her family was anything but happy: "It came to some bad scenes," Sonja Rosenzweig recalls. "I ask myself even today how my husband was able to get over them."

But the Rosenzweigs themselves have their occasional religious differences: "At first the question of religion never really arose. But when the children were born, it became a topic." In Judaism, it is namely the mother who is responsible for the children’s religious and cultural upbringing. "This is a duty I cannot fulfill because I lack the background," says Sonja Rosenzweig. [...] The question whether she should convert is something she has been considering for many years. [...] "I still haven’t decided. But I’m happy that my husband doesn’t try to pressure me."...

For Sonja Rosenzweig, maiden name Egger, entry into the Jewish world broadened her field of experiences. "People reacted to my new surname with ‘Oh, Rosenzweig, what a beautiful name. Are you Jewish? You don’t look at all Jewish. On the whole, I experience more curiosity than disapproval. I only had a bad experience once: I was turned down for a job that I felt sure about when the woman in charge heard my name. [...] Sometimes I think that the Jews are in the world to permanently remind us that we have to learn tolerance....

For years, Warren Rosenzweig [has been trying to establish a] house not only for the ‘Jewish Theater of Austria’ but for a Jewish theater
in Austria. His choice would be the former Jewish theater in the Nestroyhof in Vienna’s Leopoldstadt, which was aryanized in 1938 and to this day is in the hands of the family which bought it from the Nazis. In the basement of the building, Rosenzweig discovered swastikas on the walls, which were finally removed [with the involvement of] the police...

[The Jewish Theater of Austria does not receive public subventions.] "We are told that the financial means are lacking." [...] A Jewish theater in Leopoldstadt, in the same house in which it once existed, "would be the best solution, culturally, economically, and politically. It would be good for the Austrian image, the district, and the cultural landscape."...

[But there is no] understanding on the part of the owners. "They have [indicated] that perhaps they would accept a theater, but not a Jewish one. [They′re] the grandchildren of people who acquired real estate through Aryanization and - thanks to diverse legal loopholes - [they] haven’t had to return the properties. That, too, is modern-day Vienna."

Copyright © 2006 Verlagsgruppe NEWS Gesellschaft m.b.H.


(trans: Austrian Press & Information Service)


GERMAN (complete section):

SHALOM WIEN


Warren und Sonja Rosenzweig, Leiter des Jüdischen Theaters Austria

Von Sylvia Steinitz

Als seine Frau Sonja heiratete, stand deren Kärntner Verwandtschaft Kopf. „Das war ein echtes Problem“, erinnert sich die zweifache Mutter. „Es kam zu bösen Szenen. Am Land ist so vieles aus der Nazi-Zeit nicht aufgearbeitet worden, da bricht bei solchen Gelegenheiten der ganze Frust hervor. Ich frage mich bis heute, wie mein Mann das wegstecken konnte.“ Seit Jahren überlegt Sonja, ob sie konvertieren soll. Doch die Entscheidung fällt ihr nicht leicht. „Wenn ich konvertiere, dann wohl zur reformierten Or-Chadasch-Gemeinde. Die entspricht eher meiner Weltsicht. Und sie nimmt mich mit all meinen Fragen und Zweifeln.“

Manchmal sind es aber auch Rauchwolken, die aus dem Topf quellen – etwa im Fall von Sonja und Warren Rosenzweig. Als die gebürtige Kärntnerin vor mittlerweile 18 Jahren den aus New York stammenden Gründer des Jüdischen Theaters Austria heiratete, war ein Teil ihrer Familie alles andere als erfreut: „Es kam zu einigen bösen Szenen“, erinnert sich Sonja Rosenzweig: „Ich frage mich bis heute, wie mein Mann das wegstecken konnte.“

Aber auch die Rosenzweigs selbst haben ab und zu an den religiösen Unterschieden zu arbeiten: „Anfangs stellte sich die Frage der Religion meist nicht. Erst wenn Kinder ins Spiel kommen, wird das zum Thema.“ Im Judentum ist nämlich die Mutter für die religiöse und kulturelle Erziehung der Kinder verantwortlich. „Diese Aufgabe kann ich nicht erfüllen, weil mir einfach der Background fehlt“, sagt Sonja Rosenzweig. „Außerdem kann mein Sohn nicht in eine rein jüdische Schule gehen, weil seine Mutter nicht Jüdin ist.“ Die Frage, ob sie konvertieren soll, stellt sich Sonja Rosenzweig denn auch seit mehreren Jahren.

Schon des Öfteren nahm sie die Sache in Angriff. „Ich war mehrmals beim Rabbi, ich habe Unterricht genommen. Aber ich habe eben ganz andere Wurzeln. Der Knackpunkt ist für mich das Thema Jesus Christus, der im Judentum ja keine zentrale Rolle spielt. Jedes Mal zu Weihnachten krieg ich die Krise, weil mir das so viel bedeutet.“ Auch deshalb ist das Thema zur Zeit auf Eis gelegt. „Ich habe mich noch nicht entschieden. Aber ich bin froh, dass mein Mann mich zu nichts drängt. Ich kenne einen Fall, wo ein Mann seine Freundin verlassen hat, weil sie nicht konvertieren wollte. Eine andere jüdische Freundin ist mit einem Nichtjuden zusammen. Sie feiern einfach Weihnachten und Chanukka. Das finde ich schön, weil’s ehrlich ist.“ Sollte sie doch einmal konvertieren, „dann gehe ich vielleicht zur reformierten Or-Chadasch-Gemeinde. Die entsprechen eher meinem Bild von moderner Religionsauffassung. Und sie nehmen mich so, wie ich bin, mit all meinen Zweifeln und Fragen.“

Neue Wege zum Glauben. Konvertieren oder nicht – eine Frage, die in Österreich nur sehr wenige beschäftigt: Pro Jahr treten etwa fünf Personen zum jüdischen Glauben über, berichtet Natalja Najder von der Israelitischen Kultusgemeinde: „Das sind entweder Personen mit jüdischen Wurzeln oder Frauen, die heiraten und zum jüdischen Glauben übertreten wollen.“ In der reformierten Or-Chadasch-Gemeinde unter der Rabbinerin Irit Shillor gibt es zurzeit drei junge Konvertiten, „die mit dem Christentum nicht glücklich sind und neue Wege zum Glauben suchen.“

Für Sonja Rosenzweig, geborene Egger, war der Eintritt in die jüdische Welt mit einer plötzlichen Erweiterung ihres Erfahrungsspektrums verbunden, „Mit meinem neuen Nachnamen bekam ich hauptsächlich Reaktionen à la ,Ah, Rosenzweig, so ein schöner Name. Sind Sie Jüdin? Sie schauen gar nicht jüdisch aus.’ Ansonsten erlebe ich mehr Neugier als Abneigung.“ Wirklich schlechte Erfahrungen machte sie bisher nur einmal: „Da habe ich einen Job nicht bekommen, der mir eigentlich schon sicher war, als die zuständige Dame meinen Namen gehört hat.“ Mit ihrer Heirat hat die 39-Jährige ein ganzes Paket an Diskussionsstoff übernommen. „Aber ich bin auch froh darüber“, sagt sie. „Manchmal denke ich, dass die Juden auf der Welt sind, um uns immer daran zu erinnern, dass wir tolerant sein müssen. Wenn man sich einmal auf ein Thema einlässt und am eigenen Leib die Ablehnung erfährt, die Diskussionen und all das – das ist zwar mitunter hart. Aber es bedeutet auch, rege zu bleiben, Dinge zu hinterfragen, sich alles immer von zwei Seiten anzusehen. Im Grunde ist es eine unglaubliche Bereicherung.“

Dass ihr Mann unermüdlich – und bisher umsonst – um eine Spielstätte für sein Theater kämpft, imponiert ihr. Seit Jahren bemüht sich Warren Rosenzweig um ein eigenes Haus - „nicht nur für das Jüdische Theater Austria, sondern allgemein für Jüdisches Theater in Österreich“. Sein Wunschobjekt ist das ehemalige jüdische Theater im Nestroyhof in Wien-Leopoldstadt, das 1938 zwangsarisiert wurde und sich bis heute im Besitz der damaligen Käuferfamilie befindet. Im Keller entdeckte Rosenzweig Hakenkreuze an den Wänden, die erst entfernt wurden, als er – nach mehreren fruchtlosen Aufforderungen an die Eigentümer – die Polizei verständigte.

Ob er je in dieses Theater einziehen wird, weiß Warren Rosenzweig nicht. „Wir bekommen leider keine Kulturförderung. Man sagt, es gibt keine finanziellen Mittel. Aber wir kämpfen weiter.“

Ein jüdisches Theater in der Leopoldstadt, in diesem Haus, in dem es das schon einmal gab, „das wäre die beste Lösung – kulturell, wirtschaftlich und politisch. Es würde dem österreichischen Image nützen, dem Bezirk und der kulturellen Landschaft sowieso.“

Noch fehlen allerdings die Mittel – und vor allem fehlt die Einsicht der Besitzer. „Sie haben uns verklickert, dass sie vielleicht ein Theater akzeptieren würden, aber kein jüdisches. Das sind die Enkel von Menschen, die in dieser Stadt mehrere Immobilien durch Arisierung an sich gebracht haben und dank diverser rechtlicher Schlupflöcher bis heute nicht zurückgeben mussten. Auch das ist Wien.“

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