Press

Kleine Zeitung - Nov. 21, 2001


Wehmutswogen


Bewegend durchschreitet Dagmar Schwarz die Pfade einer gescheiterten Kafka-Liebe.
[English translation is forthcoming.]

Den komplizierten Frauenbeziehungen des Prager Landvermessers der dunklen Seiten der Existenz spürt die Wiener Schauspielerin Dagmar Schwarz in ihrem Solo "Eine alltägliche Verwirrung" nach. Mit Feuer in den Augen und Wehmut im Herzen begegnet sie der Tschechin Milena Jesenská, die trotz oder zum Trotz ihrer streng nationalen Familie mit glühender Leidenschaft, satirischem Sprachwitz und emanzipierter Aufmüpfigkeit (gegen den Willen ihres Vaters heiratete sie den Juden Ernst Polak) jenseits ausgetretener Pfade das Leben durchschritt. Die in Briefen dokumentierte Beziehung zu Frank Kafka (1920 bis 1922) scheiterte an den Wogen des "Meeres zwischen Prag und Wien" und mündete in Selbstzweifeln und Schuldfragen.

Tief bewegend schlüpfte Dagmar Schwarz beim ersten Theaterabend im Keller der Grazer Synagoge in das mit Sehnsüchten und Abgründen ausstaffierte Innenkostüm jener leuchtenden Frau. Mit wunderbaren Begegnungen hat das Festival "Ohne Begleitung" die Murmetropole kulturell bereichert. Zu hoffen bleibt, dass die lobenswerte Grazer Unterstützung des tourenden Jüdischen Theaters Austria (heuer hierorts unterstützt mit 500.000 Schilling) endlich auch den Nerv der Bundesschuldigkeit trifft.

Die Synagoge Graz ist heute Schauplatz eines weiteren stimmungsvollen Ereignisses. Joshua Horowitz, Selim Kaymakoglu und Aron Saltiel bringen sephardische Lieder und Texte aus Sarajevo, Thessaloniki und Istanbul aus ihrem neuen "Sephardischen Liederbuch". Dazu kommt noch eine Buchpräsentation von Armin Eidherr, Herausgeber der "Jiddischen Bibliothek" (Beginn: 19.30 Uhr).

EWS

© 2001 Kleine Zeitung Graz