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Wiener Zeitung - Sept. 16, 2003


Finanzielle Fragen noch offen


Rettungsaktion für das Jüdische Theater im Wiener Nestroyhof
[English translation is forthcoming.]

Eine kürzlich gestartete Initiative soll das derzeit leer stehende Jüdische Theater im Nestroyhof (Wien-Leopoldstadt) wieder seiner ursprünglichen Bestimmung als Theater zuführen. Nach seiner Schließung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 waren die Räumlichkeiten von einem Kino und zuletzt von einem Supermarkt genutzt worden. Derzeit suchen die Hausbesitzer nach einem neuen Mieter, und Warren Rosenzweig, der künstlerische Leiter des Jüdischen Theater Austria (JTA), möchte hier der "in Österreich noch nicht wirklich existierenden jüdischen Theaterszene" ein Haus geben.

Rosenzweig bemüht sich um Unterstützung von Bund und Stadt für seine Pläne und hat heute, Dienstag, einen Gesprächstermin im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. "Ich habe große Hoffnungen, dass wir Subventionen bekommen werden", gibt sich der Leiter des JTA optimistisch. Mit dem Bundeskanzleramt sei laut Rosenzweig noch "alles offen": "Es wäre sinnvoll, wenn der Staat nicht nur in tote jüdische Kultur investieren würde, sondern in die lebendige, und so zum interaktiven und interkulturellen Austausch zwischen Juden und Nicht-Juden beitragen könnte."

"Gerade das Haus in der Praterstraße, wo früher mehrere jüdische Theater standen, ist der ideale Ort, um jüdische Kultur in Wien zu zeigen", ist Rosenzweig überzeugt. Das 1898 von dem jüdischen Architekten Oskar Marmorek erbaute Theater war seit jeher ein Ort jüdischer Kultur und Identität. Im Jahr 1905 wurde hier (im "Trianon-Theater") Frank Wedekinds "Die Büchse der Pandora" erstaufgeführt (Karl Kraus gab den Prinzen Kungu Poti). Vom Sprechtheater über Kabarett und Musik reichte das kulturelle Angebot an diesem Ort, der "voll ist mit jüdischem Geist und Geschichte", so Rosenzweig.

"Es gibt für das Haus ein laufendes Denkmalschutzverfahren", heißt es aus dem Landeskonservatorat Wien, wann dieses voraussichtlich abgeschlossen sein werde (Rosenzweig hofft auf "maximal sechs Monate") könne man jedoch nicht sagen. Vom Abschluss dieses Verfahrens sei auch abhängig, "ob und wie umgebaut werden könnte", meint Mailath-Pokorny Sprecherin Saskia Schwaiger. Schließlich müssten neue Theater auch bestimmte Auflagen erfüllen. "Wir wissen von Herrn Rosenzweigs Anliegen, uns liegt aber derzeit kein Konzept vor." Wäre dies der Fall, würden Rosenzweigs Vorstellungen im Zuge der anstehenden Wiener Off-Theaterreform geprüft werden, "wie alle anderen längerfristigen Konzepte auch".

"Bevor wir über konkrete Bespielungsabsichten reden, muss die Reetablierung finanziell abgesichert werden", meint dagegen Rosenzweig. Er stellt sich eine Bespielung des Theaters unter anderem durch das JTA vor, etwa durch Arbeiten, die sich mit der österreichisch-jüdischen auseinander setzen. Man wolle aber auch jüdischen Filmemachern mit dem Theater im Nestroyhof ein neues Zuhause geben. Auch die Jüdischen Film- und die jiddischen Theaterwochen (derzeit im Theater Akzent) könnten ins historische Gebäude einziehen.

Das Jüdische Theater Austria ist ein seit 1999 existierender Verein, der jüdische Kultur in Österreich auf die Bühne bringt. Vom administrativen Standort Graz aus werden nationale und internationale Gastspiele geplant. Auch mit anderen jüdischen Theatergruppen und Künstlern arbeitet man zusammen.

© 2003 Wiener Zeitung