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Konkret - 01.05.2007

Eine typische Geschichte

WAS WIRD AUS DEM JüDISCHEN THEATER IM WIENER NESTROYHOF?

Von Erwin Riess

Es war einmal ein talentierter junger Mann aus New York. In den achtziger und frühen neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts studierte er Literatur und Theaterwissenschaft, spielte bei freien Gruppen mit und wagte sich schließlich an das Verfertigen eigener Stücke, die mit Interesse und Wohlwollen aufgenommen wurden. Der junge Mann hätte in New York reüssieren können. Doch es kam anders. Freunde luden ihn nach Europa ein, in ein kleines, von der Neuzeit vergessenes Land mit hohen Bergen, einer Überfülle an verkorkster Geschichte und seltsamen Bewohnern, die so stolz auf ihr Land sind, dass sie es am liebsten für sich allein hätten. Weil sie aber doch von etwas leben müssen und nur die wenigsten sich zu neuzeitlichen Unternehmungen herablassen, verkaufen die Heimatbewußten ihr Land in kleinen Portionen an Ausländer, die, sofern sie zahlungskräftig sind, den Titel „Touristen“ tragen dürfen. Solcherart kommt viel Geld in die Kassen der Landverwalter, so dass sie in Ruhe ihrem Steckenpferd, der uneigennützigen Gemeinheit, nachgehen können.

Der junge Mann aus New York reiste nach Österreich. Auf einem Bauernhof im besonders schönen, besonders einzigartigen und besonders geschichtsbewußten Kärnten verbrachte er eine unbeschwerte Zeit, half den Bauersleuten bei der Feldarbeit und labte sich an den schmackhaften Produkten des unvergleichlichen Ländchens. Das hätte noch ein paar Tage so weitergehen können, und dann wäre Warren, so hieß der junge Mann aus New York, wieder nach Amerika zurückgeflogen und hätte den alten Kontinent in netter Erinnerung behalten.

Es sollte nicht sein. Die Idylle endete abrupt, und schuld war unser junger Mann aus New York. Warren beging einen folgenschweren Fehler, er schrieb einen Brief an amerikanische Freunde, der Fehler wuchs sich zum unverzeihlichen Affront aus, als Warren seine Kärntner Urlaubsadresse angab und prompt einen Antwortbrief erhielt.

Wie es in Österreich Brauch ist, kontrollierte der Kärntner Bauer die Post seiner Gäste und machte eine fürchterliche Entdeckung. Der sympathische Erntehelfer Warren hatte einen unerhörten Nachnamen: Rosenzweig. Da war es mit Gemütlichkeit und Gastfreundschaft vorbei; der nie ruhende Kärntner Abwehrkampf gegen die Moderne wurde mit Ingrimm wieder aufgenommen. Ein amerikanischer Ostküstnejude in den heimatlichen Bergen, das durfte nicht sein. Endlich waren, nach Jahrzehnten mühevollen Volkstumskampfs, die Slowenen gezähmt, und dann sickern fremdrassige Agenten in die Bauernhöfe ein. Der freche Jude erntete die Frucht der frevlerischen Tat; mit Schimpf und Schande wurde Warren Rosenzweig vom Hof gejagt.

Nun beging unser junger Mann einen zweiten, noch folgenschwereren Fehler: Anstatt das Land Hals über Kopf zu verlassen und für den Rest seiner Tage zu meiden, fuhr er nach Wien. Dort studierte er ein eigenartiges Phänomen, das von den Wienern „Kulturleben“ genannt wird. Sein Immunsystem war bereits entscheidend geschwächt, als nun die letzte Bastion des leidgeprüften jungen New Yorkers fiel – er verliebte sich in eine Österreicherin.

Seit diesen Ereignissen in den späten neunziger Jahren hat das Leben des hoffnungsvollen jungen Mannes eine dramatische Wendung genommen. Er gründete und leitet seither ein jüdisches Theater, das keine fixe Spielstätte hat (nur ein Kämmerlein, „The Window“ gennant), das kaum Unterstützung der öffentlichen Hand und wenig mediale Aufmerksamkeit erfährt. Damit nicht genug, führt Warren Rosenzweig mit seinen Mitstreitern einen verbissenen Kampf um die Sanierung und Wiederbelebung des untergegangenen Jüdischen Theaters in der Wiener Praterstraße – mit Dutzenden Etablissements und Theatern galt sie einst als der Broadway Wiens. Johann Nepomuk Nestroys Carltheater befand sich vis-à-vis vom Jüdischen Theater, das von einem der herausragenden Architekten des Fin de siècle, Oskar Marmorek, erbaut worden war. Im Gedenken an Nestroy wurde Marmoreks Jugendstilpalais denn auch „Nestroyhof“ genannt. Warren Rosenzweig, der junge Mann aus New York, kämpft also um die Wiedereröffnung des Jüdischen Theaters im Nestroyhof.

Vor 1938 hatte es in Wien eine vielfältige jüdische Theaterszene gegeben, in der die „Jüdischen Künstlerspiele“ im Nestroyhof einen bedeutenden Platz einnahmen. Jacob Goldfliess gründete das Theater 1927 und leitete es bis zur erzwungenen Flucht 1938; er war dafür verantwortlich, dass die Zehntausenden aus den osteuropäischen Dörfern und Städten zugewanderten Juden, mit den Stoffen der Moderne bekannt gemacht wurden, und er sorgte gleichzeitig auch dafür, dass in seinen Produktionen die Erinnerung der assimilierten Wiener Juden an ihre Herkunft nicht verloren ging. Die Flucht vor den Nazis führte Jacob Goldfliess nach Südfrankreich, doch 1941 war er elf Monate in den Lagern Vernet und Des Milles interniert. 1942 gelang ihm die neuerliche Flucht – nach New York. Sein Sohn, Sanford Goldfliess, zählt heute zu den entschiedensten Unterstützern der Nestroyhof-Initiative Warren Rosenzweigs.

Als der junge Mann aus New York sich für das ehemalige Jüdische Theater zu interessieren begann, stieß er auf eine prominente österreichische Industriellenfamile – und auf eine typische österreichische Geschichte.

Es waren einmal fünf Brüder aus dem südlichen Wiener Becken, die in den späten 1880er und frühen 1890er Jahren geboren wurden. Früh schon stiegen die Brüder in die Mühlen- und Futtermittelindustrie ein und errichteten ein heute noch bestehendes weitverzweigtes Firmenimperium, das längst auch in Ungarn tätig ist. In den dreißiger Jahren unterstützten die Polsterer-Brüder die Austrofaschisten, dann aber, untereinander gut abgestimmt, die Nazis, so dass bald nach dem Einmarsch der Wehrmacht alle Brüder Parteimitglieder oder Mitglieder von NS-Vorfeldorganisationen waren. Besonders der Erwerb und die Verwertung jüdischen Immobilienvermögens hatte es den Brüdern angetan, und schon bald stellten sich schöne Erfolge ein. Zwar warnten einzelne Nazidienststellen davor, den Brüdern allzu viel jüdisches Vermögen zuzuschanzen, da es sich bei ihnen eher um Kriegsgewinnler denn um gefestigte Parteigenossen handle, dennoch war bei Kriegsende der Immobilienbesitz der Polsterers um einiges gewachsen, unter anderem auch um den Nestroyhof mit seinem Jüdischen Theater.

Die wendigen Brüder hatten in den Jahren der Diktatur und des Krieges blendende Geschäfe gemacht, warum sollte es in der von den Alliierten oktroyierten Demokratie anders sein? Die Polsterers machten sich beim Wiederaufbau der Republik verdient. Zu einem Zeitpunkt, da Mehl wertvoller war als Gold – in den Städten herrschte in den Nachkriegsjahren für Teile der Bevölkerung Hungersnot –, war der Mühlenkomplex eine Schlüsselindustrie. Dazu gesellten sich Fabriken für Tiernahrung, Maschinenfabriken, Bedarfsflugunternehmen und eine große Tageszeitung – 1955 erwarb Rudolf Polsterer von den amerikanischen Behörden die Tageszeitung „Kurier“. Der bekannteste und angesehenste Nachkriegsjournalist Österreichs, der mittlerweile achtzigjährige Hugo Portisch* – er war nicht nur jahrzehntelang Chefkommentator des ORF, sondern prägte durch seine monumentalen Fernsehdokumentationen über die Erste und Zweite Republik und die NS-Herrschaft das österreichische Geschichtsbild –, wurde von Polsterer als Chefredakteur engagiert.

Gegenwärtig verwaltet ein Sproß der Polsterer-Familie im Auftrag der Erben den Nestroyhof. Das architektonisch bedeutsame Jüdische Theater – in seinen Räumen war bis vor wenigen Jahren ein Supermarkt untergebracht – steht leer. Bis zum Jahr 2004 bemühten sich der Sproß der Familie und Warren Rosenzweig gemeinsam um die Wiederbelebung des Theaters. Dann aber kam es zu Differenzen, die sich bis zu Prozessdrohungen und hässlichen öffentlichen Disputen auswuchsen. Die Interessen sind denn auch zu verschieden: Hier der Erbe der Ariseure, der nichts gegen ein jüdisches Theater hat, wenn es gewinn bringt, da der arme New Yorker Schlucker, der nichts anderes will, als die alte Tradition jüdischen Theaterlebens in Wien wiedererstehen zu lassen – das allerdings ohne den lenkenden Einfluss der gegenwärtigen Besitzer.

Das Bundesdenkmalamt prüft die Erhaltungswürdigkeit des Theaters, der Wiener Kulturstadtrat denkt über die Finanzierbarkeit einer zusätzlichen Mittelbühne nach, der Bundespräsident übernimmt den Ehrenschutz einer kürzlich an verschiedenen Spielorten abgehaltenen und von Rosenzweigs Theaterinitiative organisierten Jüdischen Theaterwoche** samt angeschlossenem Kongress. Alle Zutaten für ein weiteres Verschleppen der Angelegenheit von Seiten der Politik sind also vorhanden.

Im Rahmen des Theaterfestivals wurde auch die Minibühne, sie fasst nur zwanzig Zuschauer, im siebten Wiener Bezirk bespielt. Man gab in einer szenischen Lesung Warren Rosenzweigs großes Montage- und Stationenstück „Die Judenstadt“. In derselben Gasse, schräg gegenüber, befindet sich die Heimstätte der deutschnationalen Burschenschaft „Sudetia“. In unmittelbarer Nähe steht ein stattliches Wiener Bürgerhaus, das vor 1938 einem jüdischen Prediger gehörte. Wie so viele tausend Immobilien wurde auch dieses in der Nazizeit geraubt und „arisiert“. Die Eigentümer entstammen einer bekannten österreichischen Industriellenfamilie, die ihr Vermögen mit Mühlen- und Nahrungsmittelfabriken im südlichen Wiener Becken gemacht hatte.

* Es ist keine Übertreibung, sich den umtriebigen Mann als eine Kreuzung aus Guido Knopp, Theo Sommer und Rudolf Augstein vorzustellen. [Konkret]

** Das Programm des Festivals „Tikun Olam“ reichte von Auftritten der bekannten Sänger Theodore Bikel & Tamara Brooks über Performances von Gruppen aus St. Petersburg und Prag (Teatr Novogo Fronta), Tel Aviv (Nepesh Theater, Yossi Vassa), Moskau (LaboraToria, Boris Uhananov) und Buenos Aires bis zu Stücken von Ari Roth (Washington), österreichischen Gruppen und Einzelkünstlern wie Hans Breuer und dem Projekttheater Eva Brenners, das eine Robert Blum-Performance in Kooperation mit Sun Sun Yap (Singapur/Wien) präsentierte. Das von der Association for Jewish Theatre mitorganisierte Festival findet jedes Jahr in einer anderen Stadt statt, nach Washington D.C. und Phoenix, Arizona, war diesmal Wien an der Reihe. Die Spielstätten und Vortragssäle des während des Festivals abgehaltenen Kongresses zu Fragen internationaler jüdischer Theaterarbeit waren über die ganze Stadt verteilt. [Konkret]

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