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Kurier - Aug. 20, 2008


Open Air: Jüdisches Theater Austria


Erinnern fÜr die Zukunft: Das JÜdische Theater Austria lÄsst eine Tradition wieder aufleben. UrauffÜhrung der aktuellen Produktion ist am Donnerstag.
[English translation is forthcoming.]

Eine engagierte Theatergruppe mit ihrem Sitz in Wien Neubau hat sich zur Aufgabe gemacht, eine österreichische Tradition wieder aufleben zu lassen, die seit dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geraten war.

Gegründet wurde das Jüdische Theater Austria 1999 von Warren Rosenzweig, einem Amerikaner jüdischer Herkunft. Er erweckte die seit 1938 nicht mehr existente jüdische Theaterszene in Wien wieder zum Leben. Auslöser dieses Bestrebens war Rosenzweigs persönliche Erfahrung: In seiner früheren Heimat, New York, war es ganz normal, Jude zu sein. Erst als Rosenzweig nach Österreich kam, merkte er, dass es hier noch viel Verborgenes aus der Geschichte aufzuarbeiten gab.

Freilufttheater

In „der Garten im Schrank“ (1988) versucht der Regisseur diese Geheimnisse zu verbildlichen, die jede Familie – jede Gesellschaft – in einem „Schrank“ im Keller aufbewahrt. Jeder Passant kann sich das Schauspiel ab Donnerstag anschauen. Der Stehplatz ist gratis. Wer allerdings nicht nur Bühnengeräusche, sondern auch Dialoge (deutsch/englisch) hören will, sollte Kopfhörer ausleihen. Einen Sitzplatz bekommt er dann auch.

Nachgefragt

Warren Rosenzweig, 49, Gründer, künstlerischer Leiter, Autor und Schauspieler über Ambitionen, Zukunft und die Wichtigkeit seines Jüdischen Theaters in Wien.

KURIER: Wie geht es dem Jüdischen Theater?

Rosenzweig: Die Aufrechterhaltung des Theaters ist nach wie vor ein Kampf. Wie lange die Organisation noch am Leben bleiben kann, weiß keiner.

Das Jüdische Theater lebt zum Großteil von Spenden. Wo bleibt die Unterstützung der MA 7?

Seit der Gründung 2000 suchen wir um Unterstützung beim Kulturamt der Stadt an. Eine positive Antwort haben wir nie erhalten. Nur zweimal haben wir finanzielle Unterstützung bekommen, allerdings nicht auf Ansuchen, sondern – ich glaube – weil die Stadt bei unumgänglichen Kulturveranstaltungen wie letztes Jahr das „Tikun Olam“-Festival mit ihrem Namen dabei sein wollte.

Mit welcher Begründung werden die Anträge abgelehnt?

Eine wirkliche Begründung ist nie genannt worden. Vermutlich deshalb, weil wir kritisch sind und Lücken in der Geschichte und Gegenwart aufzeigen. Oder im System: Dass die Kulturfinanzierung in der öffentlichen Hand liegt, ist für mich unverständlich.

Wieso ist das Jüdische Theater [Austria] so wichtig?

Es soll das Identitätsbild Österreichs komplettieren. Wie kann man sich als Österreicher bezeichnen, ohne die jüdische Vergangenheit – die lustige und die tragische – zu kennen?

Karoline Krause, Kultur

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