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Die Furche - 14.08.2008

Das Geheimnis im Keller

DAS JüDISCHE THEATER AUSTRIA UND WARREN ROSENZWEIGS STüCK „DER GARTEN IM SCHRANK“

Von Cornelius Hell

Orte sind wichtig für Warren Rosenzweig. Sitzt man mit ihm im Jüdischen Theater Austria in der Kandlgasse im siebten Wiener Gemeindebezirk, so fühlt man sich dank der Wände, die fast ganz zu Fenstern geworden sind, als Teil eines Dorfplatzes. Theater ist öffentlich präsent und es ist ein gemeinschaftliches Projekt. Dieses Konzept hat Warren Rosenzweig schon in New York gelebt. Aber ein jüdisches Theater hätte er dort nie gegründet. Jude zu sein hat seine Identität erst in Österreich bestimmt.

In New York war Rosenzweig für ihn ein deutscher Name, den er gelegentlich ins Englische übersetzt hat. In Österreich hat schon der Polizist, während er ein Strafmandat ausstellte, gefragt: „Rosenzweig, Rosenzweig, das ist ein jüdischer Name, nicht wahr?“

Jude sein in Österreich

Und das wurde zur Grunderfahrung: die Nicht-Selbstverständlichkeit, jüdisch zu sein in diesem Land. Warren Rosenzweig hat sie genutzt für seine Theaterarbeit, in der er diese Erfahrung, aufgrund von Herkunft oder Religion das Andere zu sein in einer Gesellschaft, kommunizieren will. So hat er in den 1980er Jahren die Truppe „Strangers in Wien“ gegründet und die Erfahrungen von Gastarbeitern und politischen Flüchtlingen sichtbar gemacht.

Warren Rosenzweig hat das Jahr 1988 in Österreich erlebt. Und ist dadurch zum Theaterstück „der Garten im Schrank“ angeregt worden. Aber das wollte damals keiner. Und weil er mehr in die Zukunft schaut als auf Selbstarchivierung setzt, war der Text bald verschollen. Aber vor Kurzem ist es wieder aufgetaucht, und jetzt soll das Stück gespielt werden – 20 Jahre und zwei Achter-Gedenkjahre später.

„Es geht um eine ländliche Familie und ihr dunkelstes Geheimnis, worüber sie schon so lange nicht gesprochen haben, dass sie heute überhaupt kaum mehr miteinander reden können“ – so beschreibt Warren Rosenzweig im FURCHE-Gespräch den Ausganspunkt seines Stückes. Und im Keller, da wuchert dieses Geheimnis. Es ist in einen Schrank gesperrt. Ein Gast kommt ins Haus und gerät in den Verdacht, er wolle in den Schrank schauen. Die Abwehrmechanismen einer Gruppe, die zu allem bereit ist, um die dunkelsten Familiengeheimnisse unter Verschluss zu halten, kommen auf die Bühne.

Von 21. August bis 20. September wird „der Garten im Schrank“ auf dem Platz vor der Mariahilferkirche in Wien gespielt. In der Regie des Autors und vom Jüdischen Theater Austria, das er 1999 in Graz gegründet hat. Auch bei dieser Aufführung ist der Ort für Warren Rosenzweig wichtig: ein Platz, den tausende Menschen täglich überqueren, dominiert von einer Kirche – und die ist für Rosenzweig zumindest ein ambivalentes Symbol „for unity, not for community“. Doch obwohl er selbst keine praktiziert, findet Rosenzweig Religion wichtig. Und freut sich über die starke Unterstützung von Kardinal Schönborn, der sogar Ehrenmitglied des Jüdischen Theaters Austria ist.

Theater für alle

Unter „Jüdisches Theater“ stellen sich viele einen geschlossenen, exklusiven Zirkel vor. Warren Rosenzweig hat damit nichts am Hut, und außerdem sind in Österreich seit 1938 die Zeiten vorbei, wo man für ein jüdisches Publikum spielen könnte. Doch jüdische Themen und Stoffe will die Truppe sehr wohl thematisieren. Aber eben auf dem Marktplatz. Vor der Mariahilferkirche oder „zuhause“ in der Kandlgasse, wo jeder durch die gläsernen Wände bei der Arbeit zuschauen kann. Und natürlich auch hineingehen.

Copyright © 2008 Die Furche
Rita Hatzmann und Erwin Leder spielen in der Garten im Schrank; Foto: Eduardo Criscuolo
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