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Augustin - Aug. 27, 2008


Das Jüdische Theater Austria erinnert für die Zukunft: Der Garten im Schrank vor der Kirche


[English translation is forthcoming.]

„Es ist kein Stück über eine Familie, es ist ein Stück über jede Familie“, erklärt Autor und Regisseur Warren Rosenzweig über sein, unter dem Eindruck der Affäre Waldheim entstandenes, Werk. Und in dieser Familie ist alles, wie es sein soll: Der Vater stellt der schwangeren Schwiegertochter nach und schlägt seine alkoholkranke Frau, der Sohn ist ein Kokser. Es ist alles, wie es sein soll, bis „der Junge“ – ein allseits beliebter Gastarbeiter – in den Verdacht kommt, den Schrank im Keller öffnen zu wollen. Der Garten im Schrank wird zum Gefängnis, in dem nicht nur die Geschichte der Familie, sondern auch die Familie selbst eingesperrt ist. Der im Stück nicht erwähnte Namen des Jungen wird ihm zum Berhängnis. Szenarium ist ein Garten mit Rosen, die alles aufwühlen, in deren Mitte ein Gartensessel zum Podest der Macht für jene wird, die sich auf ihn setzen.

Entstanden ist diese Inszenierung trotz Gedenkjahr ohne Unterstützung von Land oder Bund, mit Hilfe privater SponsorInnen. Die Bühne vor der Mariahilfer Kirche macht das Stück zu Kunst im öffentlichen Raum oder „environmental theater“, wie es der Regisseur gerne nennt, eine Reflexion über die Vernichtung des jüdischen Österreichs im Schatten einer katholischen Kirche – dank eines aufgeschlossenen und engagierten Pfarrers. Der Text des bemerkenswerten Stücks wird per Kopfhörer wahlweise auf Englisch oder Deutsch in die ZuseherInnen eingespeist. Dadurch reduziert sich die Bühnenperformance zu einem Mimik-Spiel, das den Charakter des Gefangenseins verstärkt. Es ist kein Unterhaltungstheater, die ZuseherInnen nehmen am Ende des Stücks Gewichtiges mit nach Hause.

flom

Copyright © 2008 Augustin

Photo: © Eduardo Criscuolo
Gefangen von der Geschichte der eigenen Familie: Mimi Kilinger als Mutter und Erwin Leder als Vater