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Schalom - Sept. 01, 2004


Eine interessante Theaterlesung in Haifa vom "Jewish Theatre Austria"


[English translation is forthcoming.]

Der Zusammenarbeit des österreichischen Kulturforums Tel Aviv (Direktor Mag. Martin Gärtner), dem Stadttheater von Haifa und dem Jewish Theater Austria war ein höchst interessanter Abend zu verdanken, den wir im kleinen Saal des Theaters (im „Moadon Hatheatron") – das Theater selbst hat Sommerferien – erleben konnten. Der Titel war: „Die Judenstadt (The City of Jews) – A Stage of Mind“ und die Lesung war auf Englisch. Der Verfasser, Warren Rosenzweig, ist in Brooklyn (New York) – Jahrgang 1959 – gebürtig, kam nach Wien, um die Stadt, in der seine Eltern geboren wurden, kennen zu lernen (als Spurensuche ein uns bekannter Begriff) und lebt jetzt dort als Direktor dieses Theaters. Es hat – vorläufig – kein festes Haus und gastiert in Wien im Jüdischen Museum sowie in Graz, Innsbruck und anderen Städten in Österreich. Warren Rosenzweig gründete das Theater 1999. Die Reise nach Israel wurde von der Botschaft der Vereinigten Staaten in Wien und dem Kulturzentrum von Graz ermöglicht. Es gab keinen Kartenverkauf, die Lesung war nur für geladene Gäste.

Aus dem Stück, das noch nicht fertig ist (der 3. Akt muss noch geschrieben werden) wurden einige Szenen aus dem ersten Akt sowie der ganze zweite Akt gelesen: es ist eine dramaturgische Odyssee auf der Suche nach den Zusammenhängen zwischen Antisemitismus, Assimilation und der „theatralischen Weltanschauung“ auf dem Weg zum politischen Zionismus. Es ist inspiriert von Theodor Herzls Leben, Arbeit und Zeit – zum Gedenken an seinen 100. Todestag. „Die Judenstadt“ betrachtet die jüdische Landschaft Wiens Mitte der 90-er Jahre des 19. Jahrhunderts. Im Zentrum steht das Leben und der Werdegang von Herzl, der vom Autor zum Politiker wurde, während er dafür kämpfte, das internationale Judentum der drohenden Gefahr des übergreifenden Antisemitismus zu entreißen. Das Stück dramatisiert das Leben und die Zeit eines frustrierten, bürgerlichen Bühnenautors und seinen Wandel zum politischen Visionär des 20. Jahrhunderts, dessen Kreativität, Überzeugung und Selbstvertrauen den Verlauf der Weltgeschichte beeinflussen würden.

Die Leistung der hiesigen Schauspieler vom Stadttheater ist sehr zu würdigen: obwohl nur wenige Tage zum Einstudieren und für Proben zur Verfügung standen, war es eine Vorstellung (zwar gelesen, aber in Kostümen) von hohem Niveau.

Nach der Vorstellung fand ein Gespräch mit Warren Rosenzweig statt – er beantwortete viele Fragen der Gäste; darunter auch die Frage ob es im Ensemble sowie im Publikum des Theaters auch Nichtjuden gäbe, in beiden Fällen war die Antwort positiv, das Interesse an jüdischen Themen ist groß.

Peter F. Michael Gewitsch
(Vors. d. Ortsgruppe Haifa d. GIÖ)

© Schalom Zeitschrift der österreichisch-israelitischen Gesellschaft